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Netzgespräche: Elternblogger Kai Bösel


Welche drei Dinge sind Ihnen beim Bloggen am Wichtigsten?
Kai Bösel: Hm, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Nicht wichtig ist mir zumindest die Suchmaschinen-Optimierung meiner Texte. Ich schreibe meist drauflos und mache irgendwann einen Punkt. Dann schlaf ich eine Nacht drüber, bügel noch mal über den Text und bin zufrieden. Das Bloggen ist für mich sicherlich ein Ventil für eigene Erlebnisse. Aber ich möchte auch den Lesern helfen. Ich hätte mir zur Geburt meiner Tochter einen Blog gewünscht, auf dem ich feststelle, dass andere Väter ähnliche Sorgen, Gedanken und Gefühle haben, wie ich selbst. Drei Dinge wären also Spaß, Authenzität und die Reichweite, also die Bestätigung durch Leser.

Welche Erfahrungen haben Sie mit PRlerInnen und Marketinganfragen gemacht?
Kai Bösel: Das ist ein weites Feld. Einige wenige Kunden und Agenturen verstehen, wie Blogger ticken und wie man eine für beide Seiten gewinnbringende Aktion anschiebt. Aber viele andere senden immer noch Rundmails, schreiben uns als Mama-Blogger an, bieten uns Produkte für Männer statt für Väter, halten einen Spongebob-Becher für einen tollen Preis bei einem Gewinnspiel oder sind der Meinung, wir hätten doch die Verpflichtung, unseren Lesern von Ihrem sensationellen Produkt zu erzählen.

Kai-Boesel---Aus-dem-Familienalbum-2_920pxWas ist für Sie eine gute Marketinganfrage?
Kai Bösel: Eine gute Anfrage ist zuerst einmal relevant für unsere Zielgruppe der Väter. Ein After Shave ist das nicht. Ein Familienauto, ein Kinderwagen oder ein spannendes Interview mit einem Vater ist durchaus relevant. Noch besser ist die Anfrage, wenn wir nicht einfach nur gebeten werden, ein Produkt oder Online-Shop vorzustellen, sondern wenn es dazu gleich eine Idee für eine schöne Geschichte gibt. Ein gutes Beispiel dazu war eine Aktion für Duracell kurz vor Weihnachten. Hintergrund der Story war, dass es früher oft lange Gesichter unter dem Tannenbaum gab, weil das Fernsteuer-Auto oder der Walkman ohne Batterien ausgeliefert wurden. Heutzutage werden viele Spielsachen schon ab Werk mit Duracell-Batterien ausgestattet. Daher haben ein paar Blogger coole Leuchtschwerter zum Start von StarWars 7 bekommen und unter dem Hashtag #BatteriesIncluded ihre ganz persönliche Batterie-Weihnachtsgeschichte erzählt. Das ist dann zwar auch als „Werbung“ markiert, gefällt den meisten Lesern aber sogar, weil es authentisch und lustig ist. Daher sind solche Anfragen besonders schön.

Und was ist eine schlechte?
Kai Bösel: „Hallo Herr Bösel, bei meiner Recherche bin ich auf Ihren Blog gestossen. Und auch wenn ich kein Vater, noch nichtmal ein Mann bin, habe ich Ihre Texte total gern gelesen und finde es super, dass sie etwas für Väter machen. Ich betreue ein paar Kunden, die super zu Ihrem Auftritt passen und würde Ihnen gern zu einem Thema Ihrer Wahl einen Beitrag schreiben, in dem wir unseren Kunden verlinken. Damit haben Sie einen Mehrwert für Ihre Leser. Daher hoffe ich auf Ihr Interesse“.
Davon bekommen wir täglich einige.

Was planen Sie für die Zukunft Ihres Blogs?
Kai Bösel: Derzeit ist der beschränkende Faktor die Zeit, denn Mark und ich stecken noch in anderen Jobs. Daher bleibt uns nur unsere Freizeit, um Daddylicious voranzutreiben. Wir haben aber noch viele Ideen, wollen ein Redaktionsteam auf- und unseren Shop ausbauen, haben Ideen und Anfragen in Richtung Print, basteln an einem neuen Design und gucken einfach mal, was das neue Jahr an Überraschungen bereithält.

Neben DADDYlicious haben Sie ja noch ein weiteres Projekt ins Leben gerufen, die BOOMblogs. Worum geht es da?
Kai Bösel: BOOMblogs ist ein Vermarktungsnetzwerk für Magazine und Blogs mit den Schwerpunkten „Familie & Lifestyle“. Darüber bündel ich derzeit 34 der relevantesten und größten Mama-, Papa- und Familienblogs, konnte aber zum Beispiel mit der Vermarktung von yps.de auch schon Angebote außerhalb der Familienwelt für mich gewinnen. Momentan vermarkte ich über das Netzwerk etwa 1,5 Mio. Visits pro Monat, dazu über 360.000 Facebook-Fans und über 200.000 Instagram-Follower, alle mit Familien-Affinität. Das ist schon mal ein ordentliches Pfund. Tendenz steigend.
So kann ich größere Kampagnen planen, den Blogs die zum Teil lästige und zeitaufwendige Vermarktung abnehmen und den Kunden und Agenturen ebenfalls Zeit sparen, weil sie nicht mehr die guten von den weniger guten Blogs unterscheiden, Media Kits anfordern und individuelle Deals aushandeln müssen.

Wie wird BOOMblogs von Unternehmen angenommen?
Kai Bösel: Insbesondere große Agenturen sind in Sachen Blogger Relations schon ziemlich gut aufgestellt, denen kann ich zum Teil weniger helfen. Aber ich habe schon viele Kunden, die froh sind, über mich den Zugriff auf die Blogs zu bündeln und sich nicht mit jedem Blogger einzeln auseinandersetzen zu müssen.
Und gerade die Blogger selbst empfinden meine Arbeit als Erleichterung, weil auch sie meist zu wenig Zeit zwischen Job und Familie haben. Daher fehlt die Zeit, sich ein Netzwerk aufzubauen und Akquise zu betreiben. Immer mehr Blogs wählen die exklusive Vermarktung, bekommen so ein größeres Stück von Kuchen und leiten alle Anfragen direkt an mich weiter bzw. binden sie BOOMblogs direkt auf der Seite ein.
Mir als Vermarkter fallen die Verhandlungen sicherlich auch etwas leichter, als wenn Kunden sich mit dem Blogger direkt auseinandersetzen.

In welcher Form erhalten die Unternehmen Informationen zu den Ergebnissen der Kampagnen?
Kai Bösel: Die Wünsche sind sehr unterschiedlich. Einige möchten außer dem Link zu dem Beitrag gar keine Ergebnisse. Andere fragen nach der Anzahl der Leser und einem Screenshot der Ergebnisse aus den sozialen Netzwerken. Und dann gibt es auch die Kunden, die ein Zählpixel einsetzen. Ich versuche, jeden Wunsch zu erfüllen.

Welche Pläne gibt es für die BOOMblogs?
Kai Bösel: Ich möchte das Netzwerk weiter ausbauen, noch mehr Beratungsleistung erbringen, möglichst viele Blogger und Kunden persönlich treffen und eventuell noch weitere Blog-Themen mit aufnehmen. Ich halte Blogger Relations oder auch Influencer Marketing für einen sehr mächtigen Kanal, der aber nur im persönlichen Austausch die volle Power entwickeln kann. Daher versuche ich mir immer mehr Zeit für BOOMblogs freizuschaufeln. Durch die eigene Schreiberei bleibe ich selbst Teil der Blogosphäre und kann meine Learnings prima auf BOOMblogs übertragen.

Vielen Dank für den Blick hinter die Kulissen, Herr Bösel! Wir wünschen Ihnen für Ihre Projekte viel Erfolg!

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